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Annäherung an die Hamburger Musikhalle

Laeiszhalle am Brahmsplatz Wenn beim Einschätzen des Hamburger Franzbrötchen-Verlages nur ein einziges Wort erlaubt wäre, da müsste man “Aufmerksamkeit” wählen. Das Trio dieses Verlages hat sich der 100 Jahre alten Laeiszhalle derart achtsam genähert, dass das neue Buch zu einem zarten Vergnügen wird. Rund drei Dutzend Autoren haben mitgewirkt, und alle haben der Halle, die einst das Stifterpaar Laeisz hatte errichten lassen, eine sehr persönliche Widmung geschenkt. Das 158 Seiten zählende, faszinierende Werk drängt sich als Abendlektüre auf, wie seinerzeit schon das Franzbrötchenbuch. Ein hübsches Stück Kommunikation zu einem tollen Haus.

Wer zu einem Konzert eine poetische Ouvertüre sucht, wird mit dem Lesevergnügen aus dem Franzbrötchenverlag sehr gut bedient. Hamburg-Laien erfahren gleichzeitig etwas über die örtliche Einbettung des würdigen Hauses in das seinerzeitige Gängeviertel (Beitrag von Uwe Schönhoff), man wird eingeladen zum Hineinschnorcheln in die Orgelwelt des Hauses (Günter Seggermann) und versteigt sich noch so gerne zu den provozierenden Höhen intellektueller Anagramme (Mario Dütsch, veröffentlichte 2008 eine Reihe von Anagrammgedichten). Und eben Poesie: “Saiten erzittern. Vibrieren. Schwingen. Erklingen.” (Magda Sorour). “Siebzehn Takte Unendlichkeit” heisst ein einfühlsamer Beitrag von Manfred Beseler.

Die Schriftstellerin und Journalistin Sonja Baum (“Novembertag im Frühling”) hatte schon am Leseabend im Brahmsfoyer mit ihrem “Puppenspieler” viele Liebhaber der Laeisz-Bühne gepackt. Es mochte an den unbekümmerten Metaspielen gelegen haben, mit denen die Autorin ihre Figuren und diese umgekehrt “ihre” Autorin in die Fänge lockt oder locken. Die Musik mit ihren geheimnisvollen Kraftfeldern und verwirrlichen Wirkungen liegt da sehr nahe.

Es war ein kleiner Geniestreich des Verlages überhaupt, die Annäherungen an die Laeiszhalle derart frei sich gebärden zu lassen. So haben auch verspielte Improvisationen wirklich zum lesenden Publikum finden können. “Entscheidend”, ergänzt Eric Schulz in “Concerti” (November 2008) richtig, “das sind die vielen persönlichen Erinnerungen und Eindrücke, die in dem grossartigen Jubiläumsband versammelt sind.” Es sind ein Stück weit auch Enthüllungen, gewiss.

Hüllen, die fallen. Das kennt man.

Hallen, die füllen. Das überrascht schon eher. Die Laeiszhalle hat eben ein überaus reizvolles Buch gefüllt.

Manfred Beseler, Sören Ingwersen, Adriana Treichel: Schlichte Pracht und viel Musik. Die Hamburger Musikhalle, die sich Laeiszhalle nennt. Franzbrötchen-Verlag. Hamburg 2008.


1 Kommentar zu “Annäherung an die Hamburger Musikhalle”

  1. 8. - 10. Mai 2009: der Hafengeburtstag

    [...] 11:00 Konzert der Philharmoniker Hamburg in der Laeiszhalle [...]

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