Bruno Brisanzi: “Wettbewerb macht blöd. Aber Blöd macht reich.”
Kommunikation im Bücherladen. Ein wahrhaft überraschendes Werk, was Bruno Brisanzi vorlegt. Sein Buch “Wettbewerb macht blöd. Aber Blöd macht reich.” provoziert und wird vor allem wettbewerbsgläubige Wirtschaftsleute und Politiker herausfordern.
Für Brisanzi ist Wettbewerb kein Stimulus, um Fortschritt zu erzeugen. Sondern der Wettbewerb zwingt die Unternehmen – vorab auch alle Medien -, mit Publikumsbefragungen zu erheben, wo die stärkste Käufer- oder Zuschauergunst liegt. Mehr Gunst, mehr Umsatz. Damit neigt sich das Unternehmen dem Sockel der Bevölkerungspyramide zu, denn hier ist die Menge zu haben. Aber definitionsgemäss findet man unten nicht elitäre Inhalte vor, sondern banale. Damit wird das Unternehmen zur Blödheit verdammt, sagt Brisanzi.
Die Folge auf dem Markt, so Brisanzi, ist eine Vielzahl von Produkten, die sich nicht mehr voneinander unterscheiden, weil sie von gleichen Markterhebungen ausgehen.
Wohin der Wettbewerb führen könne, zeigten die Exzesse im Spitzensport. In der Schweiz, argumentiert Brisanzi weiter, hat der verschärfte Wettbewerb unter den Parteien das Niveau nicht angehoben, sondern abgesenkt. Wählerstimmen hat vor allem die SVP geholt, und sie gewann, indem sie populär und simpel blieb. “Mit dem Parteienkampf wird also die Politik nicht intelligenter, sondern einfältiger”, schlussfolgert Brisanzi. Unverständlich, dass ausgerechnet die SVP – gemäss Welti-Blog – Angst vor mehr Wettbewerb hat (z. B. wenn sie an die Abstimmung vom 8. Februar 2009 über die erweiterte Personenfreizügigkeit nachdenkt). Mehr Ausländer – mehr einfache Leute nach Art der SVP, würde man doch meinen. Die Partei muss nur lange genug warten, bis die wie Schweizer aussehen!
Besonders verheerend findet Brisanzi das Verhalten der Medien, vorab der elektronischen. Man könne ja in Roger Schawinskis Sat1-Rückblende “Die TV-Falle” nachlesen, wie er als Leiter täglich den Meldungen über die Tagesmarktanteile entgegenfieberte. Die Angst vor dem Quotenflop zwingt die Sender dazu, die breitesten und eben nicht die schläusten Zuschauerwünsche zu befriedigen. Und die Lage spitzt sich zu: Wie Thegrandchessboard vermeldet, nimmt in der amerikanischen Medienwelt der Wettbewerb noch zu. “Da ist einiges zu befürchten”, sagt Brisanzi.
Es sei richtig, was Hektor Haarkötter unter dem Buchtitel “Abschalten” schreibe: “Anspruchslosigkeit ist die vereinigende Grösse der Medien insgesamt.” Fernsehen mache dumm. Und mit Neil Postman könne man sagen: “Fernsehen wurde nicht für Idioten erschaffen – es erzeugt sie.” Ein ewiger Kreislauf von dummen Zuschauern und verdummenden Medien. Laut Brisanzi werden die Sendeinhalte nicht nur niveauärmer, sondern auch unter sich stärker angeglichen. “Ich frage mich, weshalb es an den Fernbedienungen noch eine Kanalwahl gibt und Radiogeräte noch einen Tuningtaste haben, wenn doch überall der gleiche Quotenmist zu haben ist.”
Brisanzi fordert in diesem Sinne eine Rückbesinnung auf das, was Sinn macht, längerfristig Sinn macht. Sein Buch – wie gesagt – wird recht viele ärgern.
Verlag Ex aemulatione stultitia 2009
Mystery Review
Brisanzis Buch ist das Papier nicht wert. Denn Brisanzi, von dem ja auch Anrüchiges bekannt wurde, übt zwar harte Kritik, liefert aber keinen Lösungsansatz. Wettbewerb ist Mist, was wäre dann besser? Der Umkehrschluss ist nämlich trügerisch, denn die Rückkehr zum Monopol hebt das Niveau keineswegs an. Dafür ist eine Monopolunternehmen mitsamt Verwaltung ganz einfach zu faul und zu träge.
Der Wechsel zum Wettbewerb – etwa beim Schweizer Fernsehen – steigert also nach Brisanzi keinerlei Qualität. Das ist nachvollziehbar. Wettbewerb hat noch nie das Niveau angehoben, es verteilt nur die Gelder um. Wir sollten unbedingt mehr Brisanzis haben, gerade in der Politik. Würde er für den Nationalrat kandidieren, ich würde ihn sofort wählen!
Der Brisanzi scheint mir ein Freisinniger zu sein. Scheint zur Elite zu gehören, die das Volk nicht begreift. Er sieht jedenfalls ganz so aus, als würde er wenig Verantwortung spüren für das, was Konsumenten wollen. Der macht sich aus dem neoliberalen Staub, in dem die meisten FDP-Köpfe stecken.
Bravo Brisanzi! Sehr mutig, und sehr wahr. Wir müssen hier unbedingt aktiv werden. Wir sollten jetzt unbedingt das SECO dem Staatssekretär für Statistik unterordnen, um die Wirtschaft akzeptanznäher zu gestalten. Wettbewerb bringt nur Reibungsverluste. Was wir wollen, ist volksnahes Wirtschaften ohne Wenn und Aber.
Vorschlag: Weniger Wettbewerb, mehr Wirkung. Deshalb das Generika-Prinzip neu auf die Wirtschaft generell anwenden, auch auf die Technik, Industrie und Gewerbe. In der Architektur, in der Möbelfertigung und im Handydesign hat man ja die Bündelung der kreativen Kräfte bereits erfolgreich durchgezogen. Man müsste aber konsequenterweise auch die vergleichende Werbung nicht mehr verbieten, denn es gibt dann auch nichts mehr zu vergleichen.
So’n Schwachsinn, Bruno Brisanzi, die Vielfalt durch Einfalt zu ersetzen. Als ob das Monopel mehr brächte! Wollen Sie, dass inskünftig nicht mehr Teuerungsraten veröffentlicht werden, sondern monatlich nur noch Benchmarks angezeigt werden? Nach dem Motto: Was ist jetzt angesagt, Grün oder Blau? Das könnte der Versimpelung der Kräfte nur noch zusätzlichen Schwung verleihen! Wollen Sie wahrhaftig den Wettbewerb abschaffen? Sie sind ein Mörder am Wohlstand, Brisanzi!
Ich frage mich, ob die Medien nicht generell ein Thema für die Wettbewerbskommission WEKO sein sollten. Denn sie sprechen sich ab, indem sie alle dauernd das gleiche Publikum befragen.
Der Wettbewerb, der ist ein schlimmer.
Doch ohne, da würd es dümmer!
Nein, Volki, der Brisanzi ist ein Sozi. Der findet ja den Wettbewerb schlecht und schafft ihn am liebsten ab. Nein, der will eine verstaatlichte Wirtschaft. Mit einem SP-Bundesrat, der die Fäden zieht. Das würde Brisanzi so passen.
[...] bedenkliches Niveau – so kritisiert Bruno Brisanzi das Fernsehen ganz generell. [...]
Blöd macht reich? Dann würde intelligent arm machen. Erklärt vielleicht, wieso B. B. en Sozi ist. Schliesslich weiss man ja, wie der Markt ohne Wettbewerb versagt hat. Alte Nahrungsmittel, Schlange vor den Geschäften usw. Ich denke, B. B. macht sich zuviele Gedanken.
[...] Wertschöpfung schrieb Brisanzi ein Buch: „Wettbewerb macht blöd. Aber blöd macht reich.“ So kam er erneut ins Gerede. Dass ihn alle in die Pfanne hauten – herrlich! Nachzulesen in [...]
Danke für den Link auf unseren Blog, bei dem es meist nicht ganz so humorvoll zugeht
Bruno Brisanzi macht mehr Laune als Zbigniew Brzezinski, welcher mit seinem Buchtitel unserem Blog den Namen gab (oder entlieh sich unser Blog den Namen?).
Sollte der Name des Autors des in obigen Artikel genannten Buches rein zufällig und unabhängig von dem Namensgeber unseres Blogs entstanden sein? So oder so … Brisant, äh Brisanzi … .
Viele Grüße von Süd nach Nord!
[...] “Brisanzi” hat recht: Wettbewerb macht blöd! Nun hat “Die Zeit” am 19. Februar 2009 ein bemerkenswertes Dossier zur Lage von ARD und ZDF veröffentlicht. Bis 1984, steht darin, habe niemand von Quotendruck gesprochen. “Erst als die Privatsender zugelassen wurden, änderte sich das.” Das Urteil von Stephan Lebert und Stefan Willeke über diese beiden deutschen Gebührensender ist vernichtend. [...]